Bisher galt das Jahr 2000, als E. Pedrazza beim Saisonfinale in Hockenheim dem Schweizer M. Steiner in der letzten Kurve die Meisterschaft entriss, als spannenstes SCC-Finale.
Der Meisterschaftsstand vor dem Saisonfinale 2009 versprach eine ähnliche enge Entscheidung, die PRC-Pilotin Sabrina Hungerbühler reiste mit lediglich einem Punkt Vorsprung vor dem Norma-Nissan Piloten Gerd Beisel an den Hockenheimring.
Für die Ereignisse an diesem Wochenende hätte Alfred Hitchcock das Drehbuch nicht spannender schreiben können. Unter unbeständigen Wetterbedingen bauten die Protagonisten Beisel und Hungerbühler den Spannungsbogen schon zu den Trainingsläufen am Freitag auf und steigerten diesen auch noch, als die Zielflagge des 16. Laufes schon längst gefallen war.
Am Ende errang Gerd Beisel den Meistertitel 2009 für sich und das RWT-Team, vor der punktgleichen PRC-Werkspilotin Hungerbühler. Aber nun der Reihe nach.....
Qualifying
Prolog: Unter nassen Streckenbedingungen gelang es weder Beisel noch Hungerbühler ihren Favoritenrollen gerecht zu werden. Beisel musste von Startplatz 10 bzw. 8 ungewohnt weit hinten die Rennen aufnehmen.
Für Unruhe sorgte das noch nicht im RWT-Team, denn Hungerbühler stand jeweils direkt neben ihm.
Gerhard Münch hatte im 1. Zeitraining ebenfalls mit den Eigenschaften seines Reifenmaterials zu kämpfen. Lediglich auf Gesamtplatz 17 und Platz 6 in der Division 2 stand er zum 1. Rennen auf der Startaufstellung. Für das 2. Zeittraining wechselte er das Material und fuhr Trainingsbestzeit in seiner Klasse.
Rennen 1
Der Start war auf 11.15 Uhr angesetzt. Der morgendliche Regen setzte um 10.00 Uhr aus und die Sonnenstrahlen machte trotz nasser Rennstrecke Hoffnung auf eine abtrocknende Piste. Früh viel im RWT-Team die Entscheidung die Rennwagen vollstängig auf trockene Bedingungen abzustimmen. Die übrigen Teams zogen nach.
Das Umschalten der Startampel auf grün eröffnete das 1. Kapitel.
Beisel schnupfte am Start Hungerbühler und weitere Kollegen auf. Nach der ersten Runde lag er auf Platz 4. 2 Runden später hatte er die Führung des Feldes übernommen und setzte sich nur leicht vom übrigen Feld ab. Zwischenzeitlich hatte auch Hungerbühler den Weg vorbei an den Konkurrenten gefunden und machte sich auf die Verfolgung des Gesamtführenden. In der letzten Runde fuhr sie ihre Schnellste und erschien, nachdem Beisel überrundungsbedingt etwas aufgehalten wurde, am Heck des Norma Piloten. Mit knapp 3/10 Sekunden gewann Beisel den Lauf vor Hungerbühler, die aber die schnellste Rennrunde für sich verbuchen konnte.
Auch RWT-Pilot Gerhard Münch machte seine bescheidene Startposition im Rennverlauf wett. Konstant schnelle Rennrunden brachten ihn auf Gesamtplatz 7 und auf Rang 2 seiner Division - eine überzeugende Leistung ! Die Divisionswertung gewann Norma-Markenkollege T. Rüffer - Glückwunsch auch an dieser Stelle für den Meistertitel in der Division 2.
Rennen 2
Vor dem Finallauf lag nun in der Meisterschaftswertung Beisel einen Punkt vorne - da Hungerbühler die Zusatzpunkte für die schnellste Rennrunde im 1. Rennen einstrich. Die Rechnung schien einfach: wer vor dem anderen in Rennen 2 die Zielflagge sieht hat den Meistertitel.
Vor dem Nachmittagsrennen hatte ein weiterer Regenschauer die Rennstrecke eingenässt. Auch vor diesem Rennen setzte der Regen aus - jedoch zu kurzfristig - das Rennen musste auf Regenreifen gestartet werden.
Am Start zeigte Gerd Beisel wieder seine Starterqualitäten und machte Plätze bereits zu Beginn gut. In der vierten Runde setzte er sich auf Platz 3, konnte jedoch zunächst den Führenden Fiedler und Güllert nicht ganz folgen. Im Schlepptau die PRC-Pilotin Hungerbühler. Gegen Rennende verkürzte sich der Abstand zur Spitze deutlich, die Strecke trocknete langsam ab. Kurzfristig konnte Hungerbühler sogar an Beisel vorbeigehen, der jedoch zweimal sofort konterte. Eingangs der letzten Runde war der Abstand auf den 2. Platzierten Güllert auf 1,5 Sekunden geschmolzen. In der Spitzkehre war Beisel fast an Güllert dran, als Hungerbühler ihm beim Einbiegen einen deutlichen Schupser auf die rechte Heckpartie gab. Beisel drehte sich und Hungerbühler fuhr dadurch auf die dritte Position.
Der Zieleinlauf: Fiedler, Güllert, Hungerbühler, Beisel.
Gerhard Münch konnte sich zunächst in der Spitzengruppe der Division 2 behaupten. Auf der abtrockneten Piste bauten seine Regenreifen stark ab und er fuhr mit Rang 4 in der Division 2 knapp am Podest vorbei.
Nachspann
Durch die Aktion in der Spitzkehre schien zunächst die Meisterschaftsfrage geklärt. Beisel reichte gegen diesen Vorfall sofort Protest bei der Rennleitung ein - der aber zur Klärung der Meisterschaftfrage nicht abgewartet werden musste. Denn eine Nachrechnung der Punkteverteilung ergab:
Hungerbühler kassiert für Rang drei 22 Punkte, Beisel für Rang vier 19 Punkte und für die schnellste Rennrunde 2 Zusatzpunkte !
In der Gesamtaddition also Punktgleichstand. Beisel hat mit 9 Saisonsiegen die Nase vorn und ist Gesamtmeister der SCC 2009.
Die Finalwertungen 2009:
Division 1:
Gerd Beisel, Norma-Nissan, 381 Punkte
Sabrina Hungerbühler, PRC-BMW, 381 Punkte
Jürgen Güllert, Radical V8, 320 Punkte
Division 2:
Thorsten Rüffer, Norma-Honda, 377 Punkte
Mirco Schultis, PRC-Honda, 250 Punkte
Gerhard Münch, Norma-Honda, 244 Punkte
Entsprechend des Punktestandes belegen diese Fahrer auch die ersten sechs Plätze in der Gesamtwertung.